Die Geschichte der Villa Schindler

Die Geschichte der Villa Schindler ist schicksalshaft verbunden mit der Wirtschaftsgeschichte Oberitaliens. Der Besitzer der Villa, Niklaus Schindler, stammte aus dem Kanton Grarus in der Zentral Schweiz. Er gehörte wie die Legler (welche in Ponte San Pietro bei Bergamo bis in die neueste Zeit Textilfabriken mit Tausenden von Beschäftigten hatten), die Hefti, die Zopfi und die Abegg, zu den Schweizern, die die Textilindustrie in Oberitalien einführten und zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig machten. Er besaß die Cotonificio di Roé, eine Baumwollfabrik, die die Wasserkraft des Flusses Chiese nutzte und in ihrer Blütezeit über Tausend Personen beschäftigte.
Niklaus Schindler war mit einem Großgrundbesitzer namens Bellini befreundet. Dieser besaß ein schönes Haus in dem Dorf San Felice und umfangreiche Ländereien. Ihm gehörte unter anderem auch das Land, auf dem heute die Villa Schindler steht. Bellini wurde, ohne dass er genügend Fachwissen hatte, zum Direktor der Banca Popolare ernannt. Bald darauf ging diese Bank Konkurs und Bellini wurde dafür verantwortlich gemacht. Es wurde gegen ihn ein Strafverfahren eröffnet und er wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Niklaus Schindler gewährte ihm ein Darlehen, mit welchem er seine Verpflichtungen gegenüber der Konkursmasse der Banca Popolare ablösen konnte. Trotzdem wurde über Bellini der Privatkonkurs eröffnet und Niklaus Schindler ersteigerte aus der Konkursmasse die Ländereien und Häuser in San Felice und Manerba. Dort, wo heute die Villa Schindler steht, baute er sich, auf vorhandenen Mauern aus römischer Zeit, ein Ferienhaus und machte sich daran, den völlig verlotterten Landwirtschaftsbetrieb zu sanieren. Er tat sich mit einer Bauernfamilie zusammen, welche für ihn als Mezzadri tätig war. Die Zusammenarbeit zwischen Landeigentümer und Bauer als Mezzadri war dadurch gekennzeichnet, dass der Landeigentümer den Boden und die Produktionsmittel zur Verfügung stellte, der Bauer seine Arbeitskraft. Das erzielte Ergebnis wurde geteilt. Auf dieser Basis, gelang es Niklaus Schindler um die Villa Schindler herum einen Muster-Landwirtschaftsbertrieb zu schaffen. Ab 1930 siedelte Niklaus Schindler von Roé nach San Felice über. Er vergrößerte sein Ferienhaus durch Anbau einer Terrasse, Ausbau der Keller und weitere An- und Umbauten und schuf so die Villa Schindler in ihrer heutigen Erscheinungsweise.
Während dem zweiten Weltkrieg, war die Villa Schindler als Schweizer Besitz eine Art exterritoriales Gebiet, welches von den Kriegsparteien respektiert wurde. Noch heute sieht man neben dem Eingang die Beschriftung aus der damaligen Zeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Mezzadria abgeschafft und der älteste Sohn von Niklaus Schindler, Federico Schindler, führte ab diesem Zeitpunkt den Landwirtschaftsbetrieb als coltivatore diretto (Bauer) weiter. Sein Landgut war weit herum bekannt für seine ausgezeichneten Wein- und Tafeltrauben, für sein Olivenöl Extra Vergine und für seine Früchte, die an die Hotels in der Umgebung geliefert wurden. Niklaus Schindler war während Jahrzehnten Präsident der lutheranischen Kirchgemeinde in Gardone. Jeden Sommer kamen Pastoren aus Deutschland als Kurpfarrer an den Gardasee und wohnten traditionsgemäß in der Villa Schindler. 1960 brach im Raum Gardasee die Landwirtschaft zusammen. Die Bauern suchten sich Arbeit in der Industrie. Es war unmöglich Leute zu finden, die bereit waren die Oliven zu ernten. Federico Schindler blieb damals nichts Anderes übrig, als den Landwirtschaftsbetrieb zu schließen. Er beherbergte weiter die Pfarrer und begann sukzessive zahlende Gäste aufzunehmen. Ein bescheidener Pensionsbetrieb nahm seinen Anfang.
1970 entschloss sich der mittlerweile 69-jährige Federico Schindler in eine Eigentumswohnung nach Salò zurückzuziehen. Da keines seiner Geschwister oder deren Kinder das Landgut übernehmen wollte, wurde es der Familie Brotto verkauft. 1987 baute Frau Anna Brotto die Villa Schindler mit großer Sorgfalt zum Hotel um. Es ist ihr gelungen die ursprüngliche Atmosphäre der Villa und der Gartenanlage wiederherzustellen und die früheren Farben, Strukturen und Malereien wieder zum Leben zu erwecken. Das wunderschöne Fries unter dem Dach mit keltischen Elementen, im Jugendstil wurde Stück für Stück durch Abschaben alter Farbe wieder hervorgeholt und sorgfältig restauriert. Auch das Fresko in der Bar stammt aus der Jahrhundertwende. Bei der Restauration der Zimmer und beim Einbau der Bäder wurde die Raumaufteilung so gut wie möglich erhalten. Zimmer Drei beispielsweise hat die Aufteilung beibehalten und war früher die Vorratskammer. Die Haken aus dieser Zeit wurden in der Wand belassen. Die heutige, rund 25.000 m2 große Gartenanlage war Teil des früheren Landwirtschaftsbetriebes. Erhalten sind noch die verschiedenen Arten von über einhundertjährigen Olivenbäumen. Nicht mehr gerettet werden konnten die Granatapfel-, Obst- und Bergamottenkulturen, das Spargelfeld und der Gemüsegarten. Die Gästeküchen im Untergeschoss waren so angeordnet, dass sie Teil der Einrichtungen des früheren Landwirtschaftsbetriebes waren. Der heutige Lagerraum für Lebensmittel wurde schon früher als solcher benutzt und auch der Weinkeller, mit seinen vier Eichenfässern von 500 und 1000 Litern Fassungsvermögen und den zwei Betonfässern, wurde sorgfältig restauriert. In Zusammenarbeit mit befreundeten Bauern aus der Umgebung, ist es gelungen an die alte Tradition (Federico Schindler stellte hervorragenden Rot- und, aus Trebbiano Trauben, Weißweine her) anzuknüpfen und den Gästen Wein, Olivenöl Extra Vergine, Grappa, Essig und Balsamico Essig aus der unmittelbaren Umgebung anzubieten. Die Baumwollfabrik von Roé ist längst geschlossen, der Landwirtschaftsbetrieb ist aufgelöst. Geblieben ist, dank Frau Anna Brotto, die Villa Schindler, die 1995 als eines der fünf besten wiedereröffneten Hotels ausgezeichnet worden ist.
Die Familie Brotto dankt Familie Schindler und Frau Dollmann für die wichtige Hilfe